timezone

Wir haben nun doch das Label gewechselt.

Vor ein paar Jahren, nachdem ich unsere erste EP ganz und gar selbst erstellt hatte und an einigen Stellen gescheitert war, habe ich nach Indie-Lables gesucht und es zufällig im Internet gefunden: THE FINEST NOISE – Home of Independent Music.
Den Namen fand ich so cool, dass ich den Chef, Carsten (Keule) Collenbusch gleich angerufen habe und wir ins Geschäft gekommen sind.

Ab da habe ich alle physischen Tonträger über das Lable unseres mittlerweile lieben Freundes veröffentlicht.

Im Laufe der Zeit hat es ihn von Köln nach Hamburg und dann in die Pfalz verschlagen. Ich rufe ihn immer gerne an – nicht nur wegen musikalischer Fragen – und er wird auch ganz sicher weiterhin Promotion für uns machen.

Bei den bisherigen Veröffentlichungen lief es immer so, dass ich mich um die Herstellung der Tonträger und alles, was damit zusammenhängt, also die GEMA-Freigabe, das Artwork etc., gekümmert habe. Der Labelcode, den man braucht, damit die Songs überhaupt irgendwo gespielt werden, kam von Finest Noise und Keule hat dann Radio- und Zeitschriften-Promo gemacht. Teilweise ziemlich erfolgreich! Unsere erste Single „Concrete Memories“ lief gleich beim Deutschlandfunk und einigen anderen großen Radiostationen.

Nun wird es etwas anders. Bei The House is Moving wollte ich so viel wie möglich in andere, möglichst professionelle Hände legen. Manfred Pollert macht das Artwork und Timezone – das neue Label – kümmert sich um die GEMA-Freigaben, läßt die Tonträger produzieren, organisiert die Distribution, sowohl physisch als auch digital, und macht die Grundpromotion über MPN (Musik Promotion Network).

Timezone ist ein Osnabrücker Label, das aber deutlich über die Region hinaus bekannt und gut vernetzt ist. Viele unserer Musiker-Bekannten und -Freunde sind auch dort beheimatet. Die Jungs sind nett und man kann einfach vorbeigehen, wenn man was besprechen möchte und eine kleine Konzertreihe am Westerberg veranstalten sie auch.

So kann ich nun auch mal die Hände in den Schoß legen – äh, nein – ich formuliere ja diese kleinen Schlaglichter auf die Welt einer verrückt, ambitionierten Hobby-Band 🙂

Und neue Songs gibt´s auch schon wieder: Circle of Light, Forced to Sleep und Maze of Glass. Erstmal sehen wir jetzt aber zu, dass The House is Moving an den Start kommt.

So long
Jengel

Concrete Memories

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Mühle der Freundschaft

Homerecording oder Studio?

Wir haben diese Frage für uns schon vor langer Zeit beantwortet, trotzdem ist es interessant, unsere Recordingsessions nochmal zu beleuchten; nicht nur, weil sie natürlich prägend für unseren Alben-Sound sind, sondern auch, weil daran viele Erlebnisse hängen, die MBTY letztendlich zu dem gemacht haben, was wir heute sind.

Ganz zu Anfang habe ich es mit Homerecording versucht; hat aber nicht so gut geklappt.
Heidi: Du sitzt ja nur die ganze Zeit vor dem Computer. Das ist ja nicht Musik machen! – Doch, das ist schon Musik machen, aber nicht musizieren. Und zudem war es für mich, als würde ich ein Instrument ganz neu lernen, so richtig von Grund auf. Also habe ich es wieder gelassen und wir sind losgezogen, um uns über Tonstudios in der Region zu informieren.

Drei Studios haben haben wir angeschaut, darunter die Mühle der Freundschaft in Bad Iburg. Die war eine Empfehlung von Jo Schulz von den Angefahrenen Schulkindern und genau so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Eine große alte Fachwerk-Mühle, wunderschön gelegen, nicht zu sauber und aufgeräumt, aber gut sortiert, mit Küche und Sofa-Ecke und überall standen Instrumente rum – geil. Betrieben wird die Mühle von zwei Osnabrücker Musik-Institutionen, Martin Schmeing und Marcus Praed.

Marcus hat uns damals alles gezeigt und wir haben dann – statt Urlaub – für vier Tage gebucht und:

Es war besser als jeder Urlaub!

Die erste Studiosession war in den Herbstferien 2013 – wir waren aber nur zu dritt und eigentlich sollte das alles ja mal Indie Rock werden. Da sahen wir ohne Schlagzeuger gar nicht mal so gut aus.
Ein Freund von uns, Robert Riebau, hat in Osnabrück Schlagzeug studiert und wir haben ihn einfach gefragt, ob er im Studio aushelfen könne. Hat er gemacht, aber nicht ohne Vorbereitung. So haben wir die vier Songs kurz vor den Aufnahmen nochmal mit ihm geprobt und er hat uns noch ordentlich auf die Sprünge geholfen.
Dann sind wir ins Studio. Ich zumindest war furchtbar nervös, habe mich gefragt, ob ich überhaupt noch in der Lage sein werde, einen richtigen Ton zu spielen. Marcus allerdings war die Ruhe selbst und nach einem Tag und 24 Takes für´s Akustikgitarrensolo von Living in the Desert lief´s.

Für unser erstes Album haben wir vier mal in der Mühle Urlaub gemacht, in wechselnder Besetzung – drei Drummer, zwei Bassisten. Nebenbei haben wir immer wieder interessante Menschen dort getroffen. Eine ganze Reihe Osnabrücker Musiker aber z.B. auch Peter Atanasoff, Originalgitarrist der Kultband Tito & Tarantula, mit dem wir uns wunderbar über seine Gitarren unterhalten haben und der uns dann zu Titos Osnabrück-Konzert in den Backstagebereich eingeladen hat.

Nun, die beiden Aufenthalten in der Mühle, bei denen wir die Songs zu The House is Moving aufgenommen haben, waren einerseits schon fast routiniert, andererseits von einer Experimentierfreude geprägt, die wir früher so nicht hatten. Da wurde z.B. Hot Deal nach drei Aufnamen komplett umgeschmissen und auf der Basis einer uralten, archaischen Dr. Böhm Miniorgel mit Einfinger-Begleitautomatik neu aufgesetzt. Oder unserer Summerland Suite ein Glockenspiel und die Farfisa verpasst.

Und Marcus mischt noch immer verblüffend schnell und ruhig, korrigiert unsere Schnitzer und bringt sich mittlerweile auch immer mal wieder mit Ideen ein. Wunderbar!

Das mag jetzt Schleichwerbung sein, aber ein besseres und inspirierenders Studio als die Mühle der Freundschaft können wir uns gerade gar nicht vorstellen.

Wir freuen uns schon auf den nähsten Urlaub 🙂

Love
Jengel

P.S.: Während unseres Aufenthalts im Studio 2019 haben wir ein Video zur Bandvorstellung gedreht – da bekommt man einen kleinen Eindruck von der Mühle.

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Fotoshooting mit Manfred Pollert

Kennt Ihr das noch:
Und die Grille musste weiterstapfen. Mit ihrem dünnen Kleidchen und ihrer kleinen Geige, und es war so bitter kalt.
Das ist aus Janoschs Die Grille und der Maulwurf. Daran musste ich immerzu denken, als wir mit Manfred Pollert die letzten Aufnahmen gemacht haben.

Scheiße, war das kalt; und Heidi im Abendkleid – aber die Location war einfach zu cool; da muss man dann durch.

2018 brauchten wir aufgrund eines Personalwechsels neue Fotos. Die aus der ersten professionellen Fotosession – auch die 2016 schon genial mit Manfred Pollert in der Gold- und Kupferschmiede der Waldorfschule Evinghausen – waren nun leider veraltet; es mussten Neue her.

Wir machen Art-Folk, also sollten die Fotos einerseits irgendwie künstlerisch / künstlich / artificial / gegenwartsbezogen sein, dabei aber gleichzeitig auch etwas natürliches intergrieren. Auch ein bischen dunkel durften sie sein. Also haben wir uns überlegt, welche Location sowas hergeben würde.
Zwei realistische Möglichkeiten hatten wir uns überlegt, eine natürliche Umgebung, der aber etwas künstliches anhaftet, z.B. eine Birkenschonung in der die weißen Stämme unnatürlich in Reih und Glied stehen (Manfred hatte schon eine im Auge) oder umgekehrt, eine modern gestylte Umgebung, ein Gebäude, in dessen strenge Formen irgendwie die Natur hereinbricht.

Beide Varianten haben wir in Betracht gezogen. Für letztere haben wir uns dann entschieden, da die Lichtverhältnisse in der freien Natur ja nur sehr schwer beherrschbar sind …
… und die Truppe an einem frühen, nebligen Novembermorgen zu einer Fotosession im Wald zu motivieren … hmmm.

Ein anderes perfektes Ambiente gibt’s im Osnabrücker Land und ein Anruf genügte um die Genehmigung zu bekommen unter dem Varusschlacht Museum Kalkriese Fotos machen zu dürfen.

Das sehr moderne Museumsgebäude mit seiner Fassade aus rostenden Stahlplatten wurde erst Anfang der 2000er Jahre gebaut, als Heidi und ich gerade in Bramsche gelandet waren. Das Museum steht auf Stahlstützen und man kann drunterherlaufen. Es liegen Baumstämme und ähnliches Zeug rum. Einen samtbezogenen Stuhl haben wir mitgebracht, als wir uns im November 2018 dort mit Manfred getroffen haben.

MBTY, the Band with Dog, Manfred Pollert Photographie, All rights reserved, 2018
MBTY, the Band, Manfred Pollert Photographie, All rights reserved, 2018
MBTY the Band, Manfred Pollert Photographie, All rights reserved, 2018
MBTY the Band, Manfred Pollert Photographie, All rights reserved, 2018
MBTY Drum and Bass Department, Manfred Pollert Photographie, All rights reserved, 2018
MBTY Trio, Manfred Pollert Photographie, All rights reserved, 2018

Nun, die Fotos sind toll geworden und ein paar werden ihren Platz im Artwork von The House is Moving finden, das übrigens komplett von Manfred gestaltet wird – dazu aber ein Andermal mehr.

See You
Jengel

Mehr von Manfred: www.pollert.de

Mehr von MBTY: www.much-better.de

Auf einem Baum ein Kuckuck – ach nein, Two Yellow Lanes

two roads are parted – by yellow lines – I couldn´t be bothered – to enter them both

Ha, ich wusste es immer – wir können mehr als nur drei und vier Viertel.

Ein 5/4-Takt ist in moderner Pop-Musik schon recht ungewöhnlich, aber neu ist er auch nicht; da gibt´s schon im 19. Jhd. eine Reihe von Beispielen, häufig aus dem Osten Europas. Mussorgskys Bilder einer Ausstellung zum Beispiel oder der zweite Satz von Tschaikowskys Pathétique. Man kann ihn interpretieren als permanente Quintolen oder als einen beständigen Wechsel zwischen 2/4 und 3/4 – so haben wir das gemacht (ich zumindest – was Franko da macht, weiß ich gar nicht so genau).

Two Yello Lanes ist der erste MBTY-Song von Michael PL Pleitner, unserem Bassmann und nicht nur wegen seines 5/4-Beats einer unserer ausgefalleneren Songs. Der Gesang ist zurückgenommen, gehaucht, manchmal kippend into spoken words. Es ist ein weiterer Song dieses Albums, in dem ein Tasteninstrument eine tragende Rolle übernimmt: Ein Wurlitzer Electric Piano – Toll, was man in so einem Studio alles findet!

Eigentlich hatte Michael Pleitner den Bass vor 20 Jahren an den sprichwörtlichen Haken gehängt. „Nach einer komplizierten Handverletzung konnte ich technisch anspruchsvolle Passagen nicht mehr spielen.“

I know your scars – I know them well

„Daher konzentrierte ich mich auf elektronische Musik und die Klarinette.“

Die Lust an den tiefen Tönen ließ ihn allerdings nie los, und so machte er aus der Not eine Tugend: „Heute fokussiere ich mich auf die Töne, die ein Song wirklich braucht. Und das passt genau zum Bandsound von MBTY.“

here is the deepest – secret I know – here is the soul
replaced by a bud – that grows to our hope – that no one would hide

Bei MBTY sucht er nicht nur die passenden Basstöne, sondern manchmal auch das passende Instrument. „Wenn zu einem Song einmal ein ungewöhnliches Instrument passt, freue ich mich sehr auch mal die Bassklarinette, die Melodika oder einen Synthesizer in die Hand zu nehmen.“ Bei Two Yellow Lanes war es das Wurlitzer Piano.

Mehr davon!

Jengel

Mehr? www.much-better.de

The 5-string Violin

Es ist vielleicht eine etwas wirre Geschichte, aber ein gutes Omen ist es allemal!

Man wird nicht gleich an MBTY und Bramsche denken, wenn man das neue Album von Superstar Taylor Swift hört, aber es gibt etwas, was das bislang erfolgreichste Album des Jahres 2020 mit Much Better, Thank You verknüft.

Taylor Swifts neues Album ist eines der sich am schnellsten verkaufenden Alben aller Zeiten und war bereits nach einer Woch das bestverkaufte Album des Jahres. In mehrern Songs hört man eine Geige – klar, das Album heißt „Folklore“. Gespielt wird sie von Bobby Hawk, einem amerikanischen Geiger, der der Powys County Times zufolge bis einen Tag vor Veröffentlichung des Albums nicht gewusst hat, für wen er da eigentlich in diesem “top secret project” gespielt hatte.

Auf jeden Fall spielt er ein Schwester-Instrument von Heidis Geige. Ein sehr spezielles Musikinstrument: Eine fünfsaitige Geige des Gitarrenbauers Tim Phillips aus Mochdre, Wales.

Tim Phillips hatte sich vor fast 30 Jahren das Geigenbauen selbst beigebracht – sein erstes Instrument, hergestellt aus einem Brett eines Gatters, hing noch in seiner Werkstatt, als wir die die Geige im März 2016 bei im persönlich ausgewählt und abgeholt haben. Ausgewählt? Die Geige war auf Heidis Bestellung hin gebaut worden, doch Tim baute bei Bestellungen immer zwei gleiche Instrumente, so dass der Kunde wählen konnte.

Die fünfte Saite ist eine zusätzliche, tiefe C-Saite. Das heißt, dass in diesem Instrument Violine und Viola (Geige und Bratsche) vereint sind. Aber was tut man mit einer 5-saitigen Geige? Tatsächlich macht das für klassische Musik keinen Sinn, da es für ein solches Instrument keine Noten-Literatur gibt; in unseren selbstgeschriebenen Songs aber, gibt es diese Grenzen nicht. Hier kann der erweiterte Tonumfang voll ausgespielt werden. Die tiefe Saite erhöht die Intensität erheblich. Melodien, die in die „Tiefe“ gehen, haben einen ganz anderen Durchgriff in die Magengegend, als das sonst der Fall wäre – ihnen ist etwas Wildes und Raues zu eigen und sie werden zum Weinen schön!

Erst vor wenigen Wochen ist Tim in den Ruhestand gegangen – nachdem er sein 500. Instrument fertiggestellt hatte. Eine gewisse Ironie, meint er, so kurz nachdem er seine Werkstatt geschlossen hat zu hören, dass seine Handwerkskunst auf so einem erfolgreichen Album verwendet wurde.

Auf The House is Moving ist die Geige nicht so prominent vertreten, wie auf dem Vorgänger-Album, beim Titelsong allerdings ist sie tragend – was wird Tim dann erst sagen 😉

Love
Jengel

Quelle: https://www.countytimes.co.uk/news/18663813.newtown-craftsmans-violin-used-taylor-swift-album/?ref=fbshr

Die Geige in Aktion? Lullaby for a Refugee‘s Child

Zu Asche, zu Staub

Erstmalig gibt es auf diesem Album zwei Cover-Songs, die im Gegensatz zu den Eigenkompositionen mit deutschem Text daherkommen. Beide sind entstanden im Rahmen der Tanztee-Coverfestivals in Osnabrück. Es sind eigenwillige Interpretationen von zwei ziemlich bekannten Songs; einer eher alt, einer noch recht neu.

Zu Asche, zu Staub ist der Titel-Track der ersten beiden Staffeln der deutschen Erfolgsserie Babylon Berlin und wurde in deren Fahrwasser bekannt.

Aber kann man diesem hypnotischen Neo-Chanson noch irgendwas hinzufügen? Die Antwort ist JA, wir können das.

Wer schon mal versucht hat auf das Original zu tanzen wird sich über das höhere Tempo unserer Version freuen. Darüber hinaus ist der Bigband-Sound selbstredend dem einer Gitarrenband (mit Geige) gewichen und dennoch hat der Song nichts von seiner Anziehungskraft verloren.

Das charakteristische Klavierintro haben wir durch ein etwas schräges Ostinato von Geige und E-Gitarre ersetzt, aus dem sich der Bass mit dem markanten Riff herausschält. Heidis Stimme, eindringlich und herrlich dekadent, schafft es mühelos aus dem Schatten des Originals herauszutreten. Die Melodie im Zwischenspiel übernimmt sie zudem mit der Geige und verschleppt sie in ein sphärisches Rubato; und dann bricht der zweite, der Ohrwurm-Teil des Songs herein.

Auch hier wird man nichts vermissen. Die übereinandergeschichteten Gitarren treiben und Franko versteht es meisterlich den Drumsound zu modernisieren ohne dabei das Original zu verleugnen. So wird das Drumsolo in der Mitte des Schlussteils zwar deutlich verkürzt, aber zugleich auch auf den Punkt gebracht. Wenn der Song wieder einsetzt, fängt man unweigerlich an mitzusingen und es juckt in den Beinen.

Kurz, wir glauben – eine absolut gelungene Coverversion des modernen Klassikers.

Jengel

Summerland Suite

Schreib doch mal einen „Sommerhit“ sprachen sie. Ja, geht auch, sagte ich. War dann aber schwerer als gedacht.

Ein Thema gab´s schon. Eine völlig wirre Party- bzw. Nach-Party-Geschichte unserer Tochter; möchte ich detailliert aber lieber nicht erzählen. Wichtig ist nur, dass sie sich zu großen Teilen in der Summerland Straße in Osnabrück abgespielt hat und der Song daher seinen Namen hat, auch wenn mit Summerland eigentlich wohl nicht das Sommerland gemeint ist. Nun ja, ganz passt´s noch immer nicht – der Wechsel von Straße zu Street lag nahe, Suite wurde daraus erst durch nicht ganz saubere Aussprache. So heißt unser erster Sommerhit nun Summerland Suite. Auch ganz schön, fanden wir.

Um nicht in die bewährten Deprikorde zu verfallen, habe ich die Gitarre einfach auf ein Open-Tuning umgestimmt – auf Am7 :)))) – und los ging´s. Offbeat, Verse und Chorus, dann von PL ein Interlude, von Heidi die Lyrics und dann hatten alle was zu meckern. Aber konstruktiv.

Und so erging es der Musik ähnlich wie dem Titel. Alle haben mitgebastelt, nicht zuletzt Marcus Praed, unser Toningnieur und Produzent. Der Song hat sich zu etwas sehr besonderem gewandelt. Der Chorus blieb nur noch als Intro erhalten, das Interlud ist einem „stillen Tal“ gewichen, aus dem ein Party-Giggeln wieder hinausführt, und der Song ist durchgängig cool und tanzbar. Für uns unüblich kommen die Signature-Sounds hier von einem Glockenspiel und einer Farfisa-Orgel. Beides haben wir in der Mühle der Freundschaft, unserem Aufnahme-Studio in Bad Iburg „gefunden“ und PL hat´s eingespielt. Darüber hinaus ist Frankos Schlagzeugspiel wirklich, wirklich besonders. Insgesamt ein echtes MBTY-Gemeinschaftskunstwerk.

„New Rave is over“ (NME, mid-2008), long live the Neo Rave.

Let’s start the loveflow in Summerlandstreet

Go to the party, looking around
Talk to the people, laughing out loud
Having some fun and having some beer
Looking for love

Check out the girls and check out the guys
Drinking some vodka, try to look nice
Having some fun and having some beer
Looking for love

Sleepy and dreaming, hanging around
Kissing and touching, I love that crowd
Having some fun and having some beer
Looking for love

Saturday evening, far away from home
Between all these people feeling alone
Drinking some beer and try to have fun
Looking for love [Text: Heidi]

Jengel

The House is Moving

MBTYs zweites Album – Entrée

Eigentlich wollte ich den ersten Text zum neuen Album schon vor knapp drei Wochen verfasst und veröffentlicht haben, doch das Schicksal hat Heidi und mir und vor allem unserem Sohn Finn einen großen Stein in den Weg gerollt, der dem Albumtitel einen unerwartet und unerwünscht neuen Aspekt hinzugefügt hat.

Unser Finn hatte am Abend des 18. Juli auf dem Gelände des von uns in Frankreich gemieteten Ferienhauses einen schweren Unfall. Ein riesiger Holzbalken von einer morschen Schaukel ist auf seinen Kopf gefallen. Er hatte eine Gehirnblutung, wurde per Notarzt ins etwa 60km entfernte Universitätsklinikum Dijon gebracht und dort noch in der Nacht operiert. Die Operation ist den Umständen entsprechend gut gelaufen und es sieht alles verhältnismäßig gut aus, auch wenn mittel- bis langfristige Folgen nicht auszuschließen sind.

Nun denn, der Song The House is Moving, der unserem zweiten Album seinen Namen gibt, entstand, als ich vor einem Jahr mit Grippe im Bett lag. Lesen geht dann ganz gut und ich hatte mal wieder Muße „Die Zeit“ wirklich zu lesen. Danach ging es mir allerdings eher schlechter als besser; gefühlt gab´s nur Hiobsbotschaften. Lauter irre Staatslenker, die es gefühlt nur darauf anlegen, das Demokratieverständnis und den Solidaritätsgedanken, auf dem sich mein Weltbild über Jahrzehnte manifestiert hat, in ihren jeweiligen Ländern zu untergraben. Bei uns eine blaurechte Partei die es denen gleichzutun versucht und – zumindest in 2019 – mehr und mehr Anhänger fand. Ich finde das schrecklich und anwidernd und schaffe es nicht Verständnis dafür aufzubringen.
Davon handelt The House is Moving.

… und nun stoppt so ein Unfall abrupt alle Pläne und wirft uns zurück auf das Wesentliche: Gesundheit, Familie, Freunde und – ja, immer und immer wieder – Solidarität und Hilfsbereitschaft. Französische Nothelfer, Krankenschwestern, Ärzte, die nicht fragen nach Nationalität und ob man Krankenkassenbeiträge bezahlt; die einfach da sind und tun, was getan werden muss, für das Kind, aber auch für die Eltern. Die mitgereisten Freunde, die uns hinter dem Notarzt her, in die Klinik fahren. Ein belgischer Arbeitskollege, der in der Nähe Urlaub macht und mitten in der Nacht ins Klinikum kommt, um uns mit seinen Französischkenntnissen zur Seite zu stehen. Und, und, und … Danke!

Jengel

Michael

Guitars

Mit 10 war klar, dass es die Gitarre sein musste, einfach das coolste Instrument. Erstes Konzert „KISS“ mit 14, Stadthalle Bremen. Ab da war klar, es muss eine elektrische sein. Viel Blues, Rock, Soul hat er gelernt und mit der ersten Schülerband „Easy Fish“ ordentlich abgeliefert.

Dann lange Ruhepause.

Jetzt, seit 20 Jahren hat Michael Posch wieder regelmäßige unterschiedliche Gitarren in der Hand. Erst nur zum „Meditieren“ in den eigenen vier Wänden, seit sieben Jahren aber wieder in unterschiedlichen Bands. Früh ist er zu Much Better gestoßen, schon als die Band noch keinen Namen hatte.

Das eigene Gestalten und arrangieren der Songs war und ist ein großer Reiz und Spaß.

„Als Gitarrist bin ich eher der zurückhaltende Sideman oder Rhythmusgeber, wichtiger als ein beeindruckendes Solo ist für mich die Gesamtwirkung des Songs. Außerdem ist nichts peinlicher als ein „Saitenhexer“, der durch wilde Grimassen unterstreicht, wie schwierig sein Solo ist…“

Vorbilder? Dominic Miller (Sting), Jack White, Jack White und Jack White.

Heidi

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Much Better Thank You lebt vor allem von Heidis Gesang. Dass sie plötzlich mal Sängerin sein würde, versetzt sie immer noch in Erstaunen. „Eigentlich war die Geige jahrelang mein Instrument“, sagt sie. Dass es dann der Gesang wurde, verdankt sie ihrem Mann Jens Engel. „Jens sagte irgendwann: Schreib doch mal einen Song.“

Heidi hat neben dem Geigespielen auch immer Gedichte geschrieben. „Die haben nie jemanden interessiert, aber schreiben kann ich!“ Also schrieb sie einen Song. Der erste Song war natürlich von den Kindern inspiriert. Die dreifache Mutter war nach einer Autofahrt so genervt von den sich mal wieder streitenden Kindern, dass sie „Trouble Kids“ schrieb. Das vertonte sie dann am Klavier – und es musste ja auch gesungen werden. So begann die Band im Wohnzimmer mit anderen musikbegeisterten Freunden.

Bis auf Jens hat sich die Besetzung der Band im Laufe der Jahre völlig verändert, aber Heidi prägt die Songs weiterhin mit ihrem Gesang – und ja, auch ab und zu mit der Geige. „Der MBTY Sound ist mittlerweile ein echter Band-Sound geworden“, betont Heidi noch, „ich möchte grade keinen meiner Mitmusiker missen, da bringt jeder seinen persönlichen Klang mit ein.“ Die Songs sind echte Ohrwürmer; Melodie ist Heidi immer wichtig und die Themen über die sie schreibt liegen ihr immer am Herzen, da kann es schon mal expressiv werden.