Concrete Memories

Concrete Memories bearbeitet meine persönliche „Auschwitz-Erfahrung“. Sie ist eng verknüpft mit meinem Job, in dem ich mich über viele Jahre mit der Konservierung und Restaurierung historischer Bauwerke beschäftigt habe.

Im Juni 2000 trat ich eine neue Stelle an. Im Labor meines neuen Arbeitgebers wurden zu der Zeit Bruchstücke von Betonpfählen untersucht, um ein geeignetes Konzept zu deren Konservierung zu entwickeln. Bruchstücke von übermannshohen, nach innen gekrümmten Zaunpfählen, ehemals mit elektrisch geladenem Draht bespannt. Zaunpfähle, die die Meisten Menschen zumindest von Bildern kennen. Tausende von Zaunpfählen, stumme Wachen des Konzentrationslagers Auschwitz, größtenteils von den Häftlingen selbst gefertigt, Zeugen nationalsozialistischen Verbrechens.

Diese Betonbruchstücke hatten eine starke Anziehung auf mich. Ich hatte zwar im Studium viel über Beton gelernt, dennoch hatten diese Stücke künstlichen Steins eine völlig andere Bedeutung.

Unter normalen Umständen, d.h. im Rahmen einer konventionelle Betoninstandsetzung, wären alle verwitterten Anteile des Betons entfernt und ersetzt worden, der Konservierungsgedanke der Denkmalpflege verlangt jedoch – und noch nie war mir dies so nachvollziehbar bewusst wie in diesem Fall – die originale Substanz soweit wie möglich zu erhalten, die historische Aussage des Materials zu konservieren.

Leider sind diejenigen, deren Aufgabe es ist uns dieses Tor zu unserer Geschichte offen zu halten, die Denkmalpfleger, dieser Tage vielerorts ungeliebt, da ihr Auftauchen meist erhöhten Aufwand für Bauherren und alle Beteiligten bedeutet. Dabei kämpfen eben sie doch dafür, dass historische Zeugnisse, die für vielen Menschen heute leider stumm zu sein scheinen, demjenigen, der sich ihnen und ihrer Geschichte öffnet aber einen Kristallisationspunk für Erinnerung bieten, erhalten bleiben. Nur wenn wir uns erinnern, können Erfahrungen über die Zeit gerettet und weitergegeben werden. Erfahrungen aus denen es zu lernen gilt, um Fehler nicht zu wiederholen.

So wurden die Zaunpfähle von Auschwitz nur zu einem Teil restauriert bzw. erneuert, so dass sie erneut mit Stacheldraht bespannt werden konnten. Die übrigen Zaunpfähle wurden museal konserviert, d.h. in Ihrem damaligen Verfallszustand – soweit das möglich ist – eingefroren.

Jengel

Mehr: http://www.much-better.de

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